Gender und Bildung, Frauenstudien und Frauenbildung

Europa mal anders : Ressourcen von Frauen für Frauen

Kirsten Beuth

Frauen in Europa haben in unterschiedlichen Gesellschaftssystemen Perspektiven und Strategien entwickelt, um das tägliche Leben zu bewältigen. Dennoch gibt es bei aller Unterschiedlichkeit oft übereinstimmende Erfahrungen: Sie kämpfen um gleichberechtigte Teilhabe in Beruf und Gesellschaft, in Kirche und Politik, um gleichen Lohn für gleiche Arbeit und leisten den Hauptteil der Familien- und Fürsorgearbeit.

Vor diesem Hintergrund ist auf Initiative und unter Leitung des Frauenstudien- und bildungszentrums (FSBZ) in Zusammenarbeit mit der Christlichen Initiative internationales Lernen (CIL) ein Bildungsprojekt entwickelt worden. Kolleginnen aus europäischen Ländern trafen sich erstmals Ende 2007 zu einem strukturierten Austausch und verabredeten Projekte zu Themenbereichen, die auf regionaler oder nationaler Ebene bearbeitet werden: demografischer Wandel und die Würde des Alters; Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Veränderung von Familienbeziehungen; Ökologie; Frauen in Leitungsfunktionen.

Das FSBZ hat einen Schwerpunkt auf die Weiterbildung weiblicher Führungskräfte gelegt. So nahmen kirchenleitende Frauen aus Rumänien, Russland, der Slowakei und Deutschland im Oktober 2008 an einer kollegialen Beratung teil. Im Sinne eines feministischen und ressourcenorientierten Bildungsansatzes stehen bei der gemeinsamen Arbeit die vorhandenen Fähigkeiten und Kompetenzen im Vordergrund. Unterschiedliche Erfahrungen mit der westdeutschen bzw. westeuropäischen Frauenbewegung und Erfahrungen von Frauen in Ostdeutschland und Osteuropa kommen zum Ausdruck. Bildungsformen, die in der westeuropäischen Frauenbewegung entwickelt wurden und davon ausgehen, dass alle Beteiligten über Expertinnenwissen verfügen, werden in das Netzwerk eingebracht und als Arbeitsmethoden angeboten. Mit dieser Arbeitsweise stellt das FSBZ einen Ort des Lernens dar, an dem Frauen ihre eigenen Fragestellungen als Subjekte des Prozesses bearbeiten und die ihnen gemäßen Antworten finden können. Die Chancen, die die Erweiterung der EU mit sich bringt, können von Frauen nur aufgegriffen, weiterentwickelt und weitergetragen werden, wenn sie selbst Subjekte des Handelns und Lernens sind, selbstbewusst Entscheidungen treffen und so an der Gestaltung von Kirche und Gesellschaft mitwirken. 2009 werden die Ergebnisse von fachbezogenen Gesprächen, Praktika und Seminaren ausgewertet.

Dr. Kirsten Beuth, beuth@fsbz.de

CI Informationen 2009/1

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