Gemeindepädagogik

Fachtagung der EKD-Ad-hoc-Kommission für diakonische und gemeindepädagogische Berufsprofile

Matthias Spenn

Fachtagung der EKD-Ad-hoc-Kommission für diakonische und gemeindepädagogische Berufsprofile

 

Seit Mai 2011 arbeitet die vom Rat der EKD eingesetzte Ad-hoc-Kommission an der Entwicklungeiner Systematik für die Beschreibung und Anerkennung gemeindepädagogischer und diakonischer Berufs-, Aus- und Weiterbildungsprofile, die gesamtkirchlich anschlussfähig ist und sich an europäischen bzw. bundesdeutschen Standards (EQR/DQR) orientiert. Die Berufsprofilentwicklung pädagogischer und sozialer Berufe ist nicht allein ein Thema von Kirche und Diakonie, sondern betrifft auch andere öffentliche, freie und private Träger und beschäftigt nicht zuletzt die Ausbildung sowie die erziehungs- und sozialwissenschaftliche Professionsforschung. Um diese Perspektiven in den Diskurs der Ad-hoc-Kommission einzubeziehen, führte das Comenius-Institut am 1.11.2012 in Berlin eine Fachtagung durch, die sich neben den Mitgliedern der Ad-hoc-Kommission an weitere Multiplikator/-innen und Expert/-innen aus kirchlichen und diakonischen Ausbildungs- und Studieneinrichtungen, beruflichen Unterstützungssystemen und von Anstellungsträgern richtete.

Den ersten Impuls setzte Prof. Dr. Dieter Nittel, Goethe-Universität Frankfurt/Main, mit seinem Referat „Von der Profession zur sozialen Welt der beruflichen Mitarbeitenden in Gemeindepädagogik und Diakonie? Die Perspektive der vergleichenden erziehungswissenschaftlichen Berufsgruppenforschung“. Drei Kernthesen bildeten das Grundgerüst seines Beitrags:

- Das Konzept der Profession kann als historisch überholt gelten.

- Zur Beschreibung der komplexen Realität personenbezogener Dienstleistungen ist am ehesten das Konzept der „Sozialen Welt“ geeignet.

- Aus handlungstheoretischer Sicht ist „Professionalität“ eine unverzichtbare Kategorie.

Insbesondere das Konzept der „Sozialen Welt“ mit Kategorien wie Kernaktivitäten, Pädagogische Technologien, Sinnquellen, Arenen der Auseinandersetzung, Mandat, Lizenz, Arbeitsbögen usw. scheint relevant zu sein für die Arbeit der Ad-hoc-Kommission, weil es eine nicht normative, sondern deskriptive Erfassung der Beruflichkeiten ermöglicht (vgl. auch Nittel 2011).

Für den zweiten Beitrag „Professionalisierung des diakonischen und pädagogischen Handelns und die Entwicklung freiwilligen Engagements in der Zivilgesellschaft“ stellte Prof. Dr. Hildegard Mogge-Grotjahn, Bochum, drei Thesen zur Diskussion:

- Ausbildungs- und Studieneinrichtungen stehen vor der Herausforderung der „Kontextualisierung“ der Ausbildungs- bzw. Studieninhalte und der durch sie zu vermittelnden Kompetenzen.

- Die Vermarktlichung/Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und die veränderten Funktionszuschreibungen erfordern eine Neudefinition für das Selbstverständnis diakonischer und gemeindepädagogischer Tätigkeitsfelder.

- Sowohl die Dienstleistungsprofessionen als auch Kirchengemeinden und Ehrenamtliche Kräfte sowie Privatpersonen/Familien müssen sich neu verorten im „Welfare Mix“ der modernen Gesellschaft.

Für die Weiterarbeit wurden insbesondere die Kategorien „Lizenz“ und „Mandat“ zur Klärung von Auftragssituation und Berechtigung bzw. Qualifikation zur beruflichen Tätigkeit sowie die Frage der „Kontextualisierung“ in der möglichen Spannung zu dem, was als evangelisches Profil für kirchliche und diakonische Träger als leitend beschrieben werden kann, herausgestellt. Außerdem wurde in der Ad-hoc-Kommission noch einmal deutlich, dass das Verhältnis von Beruflichkeit und Ehrenamt einer genaueren Bestimmung bedarf.

Die Ad-hoc-Kommission soll bis 2014 ihre Arbeitsergebnisse dem Rat der EKD, dem Diakonischen Rat und den Landeskirchen vorstellen. Das Comenius-Institut hat dabei die Aufgabe der wissenschaftlichen Begleitung und Unterstützung der Arbeit in Kombination von erziehungswissenschaftlicher bzw. professionstheoretischer Expertise und Feldkompetenz übernommen, insbesondere im Blick auf die Entwicklung eines Kompetenzmodells, das zwischen der Gestaltung der beruflichen Tätigkeit im diakonisch-gemeindepädagogischen Aufgabenfeld auf der einen Seite und der Aus- und Weiterbildung auf der anderen Seite eine konstruktive Verbindung herstellt.

Literatur: Nittel, Dieter (2011): Von der Profession zur sozialen Welt pädagogischer Berufsgruppen? Vorarbeiten zu einer komparativ angelegten Empirie pädagogischer Arbeit.
In: Helsper, Werner; Tippelt, Rudolf (Hrsg.): Pädagogische Professionalität. Weinheim: Beltz, 2011, S. 40-59
(Zeitschrift für Pädagogik : Beiheft, 57) 

Fach- und Arbeitsstellen des Comenius Instituts

© Comenius-Institut 2004-2019

Sitemap |
  • Datenschutz
  • Impressum