GLiS - Globales Lernen in der Schule

Der Lernbereich Globale Entwicklung als Aufgabe der ganzen Schule : die Fachstelle GLiS kommentiert Kapitelentwurf des Orientierungsrahmens

Sonja Richter

10.09.2014

Auf Einladung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) und der Kultusministerkonferenz (KMK) kamen am 03. und 04. September 2014 Akteure rund um die Weiterentwicklung des Orientierungsrahmens „Lernbereich Globale Entwicklung“ zusammen, um den aktuellen Entwurf dieses bildungspolitischen Rahmendokuments zu diskutieren. Seit im Juli dieses Jahres eine Entwurfsversion zur Kommentierung veröffentlicht wurde, geben Expert(innen) aus Wissenschaft und Praxis Empfehlungen zur weiteren Ausgestaltung. Die zweitätige Fachtagung war sicherlich Höhepunkt dieser Kommentierungsphase, die nun in eine Überarbeitungsphase übergeht, bevor das Dokument im Dezember vom Schulausschuss verabschiedet werden soll.

Eine zentrale Weiterentwicklung des Orientierungsrahmens betrifft die Einführung eines neuen Kapitels: „Der Lernbereich Globale Entwicklung als Aufgabe der ganzen Schule“ (Kapitel 5, vgl. S. 291ff in der Entwurfsfassung von Juli 2014). Die Fachstelle GLiS – Globales Lernen in der Schule begrüßt ausdrücklich, dass dieses neue Kapitel nun aufgenommen wurde! Die Integration von globalen Themen kann aufgrund ihrer inhaltlichen und zeitlichen Komplexität nicht nur durch die Anpassung von formalen Unterrichtseinheiten in einzelnen Fächern geschehen. Globale Themen müssen fachübergreifend behandelt werden, dem wird dieses Kapitel gerecht. Jedoch kann Lernen im Sinne des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung auch nur glaubwürdig sein, wenn der institutionelle Rahmen, in welchem Lernen stattfindet, diesem Leitbild folgt. Konkret bedeutet dies, dass Schulen selbst ihr Handeln im Kontext globaler Entwicklung reflektieren und entsprechend dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung gestalten müssen, um ihrer Vorbildfunktion außerhalb formaler Lernsettings gerecht zu werden.

Die jetzige Version des Kapitels bezieht sich auf den sogenannten „Whole-School-Approach“, der dieser Perspektive größtenteils entspricht. An einigen Stellen könnte das Kapitel jedoch noch klarer und einführender diese Perspektive erörtern. Die Fachstelle kritisiert zudem die Verortung dieses Kapitels relativ weit hinten im Orientierungsrahmen. Eine ausführliche Kommentierung hierzu brachte Sonja Richter, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Comenius-Institut, im Rahmen der Anhörung in Bad Honnef ein.

Link zur ausführlichen Kommentierung von Sonja Richter zu Kapitel 5

Entwurfsversion des Orientierungsrahmens zum Lernbereich Globale Entwicklung (Kapitel 5: S. 291 ff.)

Eine öffentliche Kritik erfährt der aktuelle Entwurf des Orientierungsrahmens zudem von Initiativen, Organisationen und Netzwerken der Zivilgesellschaft und Wissenschaftler(innen), die im Kontext rassismuskritischer, dekolonialer oder machtkritischer Bildungsarbeit arbeiten oder forschen. In einem offenen Brief fordern Sie die KMK-BMZ-Arbeitsgruppe auf, postkoloniale und machtkritische Perspektiven in Grundhaltung, theoretische Rahmung und Inhalte tiefer zu verankern. Link zum offenen Brief

Wir sind gespannt, wie die KMK-BMZ-Arbeitsgruppe mit der Kritik und den Empfehlungen umgeht und wie der neue Orientierungsrahmen schließlich aussehen wird!

Fach- und Arbeitsstellen des Comenius Instituts

© Comenius-Institut 2004-2019

Sitemap |
  • Datenschutz
  • Impressum