Evangelische Schulen

Evangelische Grundschulen werden Ganztagsschulen

Dietlind Fischer / Matthias Spenn

Das Fortbildungsprojekt des Comenius-Instituts "Evangelische Grundschulen werden Ganztagsschulen" (EGGS) mit Evangelischen Grundschulen in Mecklenburg-Vorpommern zur Stärkung der Zusammenarbeit von Lehrern/-innen und Erziehern/-innen, Schule und Hort ist abgeschlossen.

Wie werden aus formal anerkannten Ganztagsschulen auch Schulen mit einem guten pädagogischen Konzept? Wie können pädagogische Konzepte, die auf dem Papier stehen, wirkungsvoll umgesetzt werden? Vor diesen Fragen stehen viele Schulen, die im Rahmen des Ganztagsschulprogramms der Bundesregierung "Investitionsprogramm Zukunft Bildung und Betreuung" mit Mitteln für den Schulbau und für Beschaffungen gefördert werden.

Die Unterstützung von Entwicklungsprozessen einzelner Schulen ist in der Regel zeitaufwändig und teuer. Das Comenius-Institut entwickelte und erprobte das folgende Modell einer zielgerichteten Unterstützung von mehreren Schulen parallel.

Ausgangssituation und Zielsetzung

Im Rahmen des Ganztagsschulprogramms wurden 2004 und 2005 sechs Grundschulen mit angegliedertem Hort in Trägerschaft der Ev. Schulstiftung Mecklenburg-Vorpommern als Ganztagsschulen anerkannt und gefördert.

Obwohl Schule und Hort bereits nebeneinander arbeiten und auch Absprachen treffen, erschien den beteiligten LehrerInnen und ErzieherInnen der Weg zu einer weiterentwickelten Ganztagsschule durch mancherlei Behinderungen verstellt. Eine pädagogische Konzeption ist zu entwickeln, bei der Schule und Hort stärker aufeinander bezogen sind, ihre pädagogische Arbeit miteinander, nicht nur nacheinander gestalten, außerschulische Partner einbeziehen und die Zusammenarbeit von LehrerInnen und ErzieherInnen die Bildung der Kinder inhaltlich und strukturell verbessert. Bei derartigen Entwicklungsprozessen sind Bedingungen und Entwicklungspotenziale der einzelnen Schule mit dem Hort einzubinden in einen für alle teilnehmenden Schulen gemeinsam konzipierten Fortbildungs- und Entwicklungsprozess.

Fortbildungs- und Schulentwicklungsangebot

Das zweiphasige Fortbildungsangebot für bis zu 25 Teilnehmende (jeweils ein Team von Schul- und HortpädagogInnen) über den Zeitraum eines Schuljahres sieht - als "Sandwich- Modell" - zwei Präsenzzeiten vor im Abstand von einem halben Jahr. Zwischen diesen Präsenztagen liegt "die Wurst", d.h. die Umsetzung und praktische Erprobung von Entwicklungsschritten in der jeweils konkreten Schulpraxis. Die Teilnahme an beiden Veranstaltungen und die Übernahme von vereinbarten Aufgaben zwischen den Tagungen wird als verbindlich vorausgesetzt.

Im ersten Teil der Fortbildungsveranstaltung wurden das bisher bestehende Schulprogramm geklärt und Entwicklungsperspektiven vereinbart. Anregungen dazu gab die ganztägige Erkundung einer entwickelten Ganztagsgrundschule mit intensiver Auswertung. In einer Vereinbarung mit dem Comenius-Institut wurden Ziele und Arbeitsschritte verbindlich festgelegt.

Im zweiten Teil der Fortbildungsveranstaltung wurden die zwischenzeitlich realisierten Schritte zur Kooperation von Schule und Hort ausgewertet. Erfolge, Misserfolge, unerwartete Nebenwirkungen und Grenzen wurden analysiert. Strategien der kollegialen Kommunikation, der Fallberatung, des Projektmanagements und der Konfliktbearbeitung wurden vermittelt und ausprobiert. Abschließend konnten die Teilnehmenden ihre nächsten Handlungsschritte erarbeiten.

Ergebnisse

Die Vereinbarungen der Teams über ihre konkreten Entwicklungsvorhaben erwiesen sich als wirksames Instrument. Die wichtigsten Ergebnisse der Entwicklungsprozesse sind die folgenden:

1. Zeitstrukturen

Wenn Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder eine verlässliche Halbtagsschule mit nachträglich stattfindendem Hort vorfinden, ist die Umstellung auf eine verbindliche gebundene Ganztagsschule nicht ohne weiteres möglich. Bildung und Betreuung der Kinder sind institutionell getrennt, darauf haben sich die Eltern eingestellt. Deshalb müssen Übergangslösungen gefunden werden, die eine Weiterentwicklung öffnen. Einige Schulen haben deshalb ihre Zeitstruktur in Blöcke umgestellt. Sie gewinnen dadurch mehr Möglichkeiten zu differenziertem Arbeiten und für Förderangebote, die direkt an den jeweiligen Unterricht anschließen. ErzieherInnen können zeitweise in Phasen von Wochenplan- und Freiarbeit einbezogen werden, LehrerInnen sind nachmittags an Arbeitsgemeinschaften und Förderunterricht einbezogen.

2. Zusammenarbeit

Die kooperative Integration Hort und Schule wird durch die institutionell getrennte Zuordnung des Personals, unterschiedliche Arbeitszeiten und Gehaltsgruppen, aber auch getrennte Vorgaben durch die Zuschussgeber erschwert. Einzelne Schulen und Horte haben deshalb Lösungen der Zusammenarbeit entwickelt, die die Betreuungszeit stärker mit den Unterrichtszeiten verknüpfen. Das gilt für Teamarbeit in bestimmten Lernzeiten, für die Mittagessenbetreuung, die Durchführung von Projekten und außerunterrichtlichen Angeboten sowie für die Gestaltung der Schulkultur. Die Weiterentwicklung solcher Ansätze bleibt auf der Tagesordnung.

3. Qualität der Zusammenarbeit

Ansätze der pädagogischen Zusammenarbeit von Lehrkräften und Erzieherinnen werden erprobt. Jedoch empfinden die HortnerInnen die Kooperation als unausgewogen, wenn sie als Hilfskraft der LehrerIn herangezogen werden, ohne dass sich auch die LehrerInnen in die außerunterrichtliche Betreuung einbringen. Oft fehlen Planungszeiten, die der Rollenklärung wie der Reflexion und Weiterentwicklung der Kooperation nützen. Der eigenständige pädagogische Beitrag der sozialpädagogischen Fachkräfte in Kooperation mit der Schule ist noch genauer zu definieren und zu fördern.

4. Konzeptentwicklung

Die Arbeit an einer gemeinsamen Konzeptentwicklung für Schule und Hort ließ sich an den meisten Schulen bisher erst in Ansätzen verwirklichen. Die relativ jungen Schulen haben in der Aufbauphase eine Fülle von alltagspraktischen und grundsätzlichen Fragen zu klären, so dass es an zeitlichen Ressourcen mangelt.

Das Fortbildungskonzept hat etwas in Gang gesetzt, das eines längeren Entwicklungsprozesses bedarf. Kleine Schritte geben Sicherheit auf dem Weg der Veränderung, wenn das Ziel im Gespräch bleibt. Die Initiatoren und Akteure der Entwicklungsprozesse bedürfen auch weiterhin der Option, bei Bedarf auf fachliche Begleitung und Anregung von außen zugreifen zu können. Der Schulträger sollte für Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung Sorge tragen.

Abschlussbericht (pdf-Datei, 300 KB)

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