Evangelische Bildungsverantwortung in Europa

Bericht über die 14. Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen KEK

Dr. Peter Schreiner, Dr. Gerhard Pfeiffer

Vorgeschichte und Kontext

2009 haben die Mitgliedskirchen bei der VV in Lyon einen Prozess zur Überarbeitung der Strukturen und des Mandates der KEK in Auftrag gegeben, der zu einer vollständigen Erneuerung der KEK-Strukturen führen sollte.
Es wurde eine Arbeitsgruppe (Revision Working Group) eingesetzt, die als zentrales Dokument für die Beratungen in Budapest den „Uppsala Report“ vorlegte, bestehend aus Vorschlägen für einen neuen Strategischen Rahmen für KEK, Vorschlägen für ein verändertes Organisationsmodell und den Vorschlag für eine neue Verfassung der KEK. In der Struktur der KEK gab es bis Budapest neben den Mitgliedskirchen 40 assoziierte Mitgliedsorganisationen (AO), die entweder ökumenisch thematische Profile besitzen, wie z.B. Jugend, Frauen, Bildung, Friedensarbeit etc. oder Ökumenische Kirchenräte sind. Zu den thematisch ausgerichteten AO gehören ICCS undIV, die beide mit redeberechtigten, aber nicht stimmberechtigten Representatives in Budapest teilnahmen (Peter Schreiner & Gerhard Pfeiffer). Insgesamt nahmen ca. 400 Personen in Budapest teil, darunter 220 Delegierte von Mitgliedskirchen, 23 Vertreterinnen von AO, 29 Stewards, 50 Berater, Gäste und Beobachter.

Zielsetzung und Rahmen

Die fünf Jahre nach Lyon einberufene VV war eine ordentliche VV, die sowohl Berichte der drei Kommissionen (Kirchen im Dialog; Kommission Kirche und Gesellschaft; Kommission der Kirchen für Migranten in Europa) und des Generalsekretärs Dr. Guy Liagre zur geleisteten Arbeit entgegennahmen als auch auf der Grundlage der bestehenden Verfassung ihre Gremien neu wählte, allerdings in einer deutlich verringerten Größenordnung, wie es die neue Verfassung vorsieht.
Zentrales Ziel der 14. VV war die Diskussion und Verabschiedung dieser neuen Verfassung und einiger begleitender Dokumente, die für die Zeit des Übergangs eine Hilfestellung und einen Rahmen für die zukünftige Arbeit leisten sollten. Eine zentrale Zielsetzung war die Verschlankung der bestehenden Strukturen, eine Abschaffung der bestehenden Kommissionen und eine Zentralisierung der Arbeit im Interesse der Mitgliedskirchen.

Die inhaltlichen Programmpunkte wurden ergänzt durch einen bereichernden geistlichen Rahmen in Form von Eröffnungsgottesdienst, Morgen- Mittags- und Abendgebeten aus unterschiedlichen Traditionen sowie einer täglichen Bibelarbeit zu Beginn der Sitzung. Dazu lag ein eigenes Gottesdienstbuch vor. Am Sonntag waren die Teilnehmenden in verschiedenen Gemeinden in Budapest zu Besuch. Die Vollversammlung endete mit einem Sendungsgottesdienst, in dem Bischof Schindehütte (EKD) die Predigt hielt.

Verlauf und Ergebnisse

Es wurde intensiv und teilweise kontrovers debattiert Strittige Punkte waren u. a. Quotenregelungen für die orthodoxe Kirchenfamilie, für Frauen und Jugend.Die wesentlichen Ergebnisse:

  • Der Sitz der KEK wird von Genf nach Brüssel verlegt.
  • Der bisherige Zentralausschuss mit 40 Mitgliedern wird in einen Verwaltungsrat mit 20 Mitgliedern umgewandelt (Mitglieder aus Deutschland: Pfr.in Christine Busch, EKD/EKiR; Pfr.in Silke Tosch, Ev. Freikirchen), neuer Präsident wurde Bischof Christopher Hill (Church of England), Vize-Präsidenten Pfrin Karin Burstrad, (Schweden) und Metropolit Emmanuel von Frankreich (Orthodoxes Ökumenisches Patriarchat).
  • Bestehende Kommissionen werden mit der KEK zu einer einheitlicheren Struktur zusammengeführt. Hierzu sind Verhandlungen mit CCME und CSC erforderlich, die beide eigenständige juristische Organisationen sind.
  • Im Blick auf die Beteiligung der Orthodoxen Kirchen an Gremien der KEK wurde eine 25%-Quote beschlossen, entsprechende Quoten zur Sicherstellung der Beteiligung von Frauen und Jugend wurden nicht verabschiedet.
  • An die Stelle der assoziierten Organisationen treten „Organisationen in Partnerschaft“, die in einem Register erfasst werden und deren Rechte und Pflichten mit dem Verwaltungsrat ausgehandelt werden. Die bisherigen AO werden, wenn sie dem nicht widersprechen, automatisch in das neue Register aufgenommen. Zu den Vollversammlungen werden die „Organisationen in Partnerschaft“ regelmäßig eingeladen, nicht nur bei Bedarf und aus besonderem Anlass, wie zwischendurch vorgeschlagen worden war. Der entsprechende Artikel 5 der neuen Verfassung lautet:


Article 5

Organisations in Partnership, National Councils of Churches

(1) The Conference shall maintain a register of ‘Organisations in Partnership’ for specialized Church and ecumenical organisations that have responsibility for particular issues or areas, which recognise the basis of the Conference in accordance with the preamble to the constitution and the aims of the Conference as set out in art. 2, which maintain relations with the Churches in their area and are representative of their region, or which are constituted by Members of the Conference in specific regions of Europe or for particular purposes.

Organisations in Partnership shall be invited to attend the General Assembly without voting

rights. The rights and obligations shall be mutually determined by the Governing Board in

consultation with these organisations.

(2) National Councils of Churches are the ecumenical instruments through which Churches

engage nationally, and they shall each be invited to send a representative to attend the General Assembly without voting rights.

Zentrale Dokumente

Neben der verabschiedeten Verfassung gibt es:

  • Einen strategischen Fahrplan (road map) 2013-2017
  • Eine „Botschaft“ der Konferenz an die Mitgliedskirchen
  • Einen Policy Reference Report (Bericht des Weisungsausschusses)
  • Einen „Public Issue“ Report, in dem Stellung genommen wird zur Finanz- und Wirtschaftskrise Europas, der Jugendarbeitslosigkeit, der Situation der Roma, der Europäischen Sozialcharta, dem Schutz von Flüchtlingen, der Situation im Mittleren Osten und Nordafrika, Syrien, Ägypten und der Religionsfreiheit.

Diese Dokumente sind zugänglich über die Internetseite http://assembly2013.ceceurope.org/index.php?id=1173, dort finden sich auch Reden und Grußworte, u.a. von ÖRK-Generalsekretär Olaf Fykse Tveit und GEKE-Generalsekretär Bischof Michael Bünker.

Bewertung und Perspektiven

Die Verhandlungen waren von Spannungen und Gegensätzen geprägt, die auch in einer mangelnden Vorklärung wichtiger Fragen begründet waren. Der Zeitraum zwischen Lyon und Budapest war zu kurz, um einen transparenten Kommunikationsprozess zwischen den Mitgliedskirchen über eine neue Verfassung vor der VV zu führen.
Nicht zu übersehen war die exponierte Rolle der EKD in Lyon und auch in Budapest, die in ihren Intentionen zwar mit einigen anderen großen Kirchen übereinstimmte, aber auchvon vielen Delegierten kritisch beurteilt wurde. Beispielsweise hat die EKD-Delegation eine geschlossene Sitzung beantragt, um den Status der bisherigen AO neu zu verhandeln, über den am Vortag bereits abgestimmt worden war.Der mit knappem Ergebnis gefasste Beschluss führte dazu, dass neben den anwesenden Beobachtern und Gästen auch die assoziierten Mitglieder ausgerechnet da ausgeschlossen waren, wo es um ihre Belange ging.
Insgesamt war die Veranstaltung eine Verfassungs-VV, bei der Inhalte nur randständig diskutiert werden konnten. Juristische Problembereiche waren die unterschiedlichen Anforderungen an eine Verfassung nach Schweizer Recht (alte Verfassung) und nach belgischen Recht (neue Verfassung), kirchenpolitische Brisanz hatten die Dominanz der großen Kirchen,die Befürchtung der Minderheitenkirchen nicht mehr in den Gremien vertreten zu sein, die Befürchtungen der assoziierten Mitgliedsorganisationen nicht mehr in gleicher Weise in den neuen Strukturen mitarbeiten zu können, die ausbleibenden Quoten für Frauen und Jugend, die geforderte und schließlich durchgesetzte Quote für die Orthodoxen Kirchen. Letztere hatten klar gemacht, dass sie die KEK verlassen würden, wenn sie ständig überstimmt würden.

Für ICCS und IV war die Teilnahme in Budapest äußerst sinnvoll. Eine Beteiligung an den Diskussionen war in den Arbeitsgruppen und im Plenum möglich. Auch am Rande konnten viele Kontakte geknüpft und die Arbeit der beiden Organisationen erläutert werden. (Wir hatten die aktuelle Ausgabe des IV & ICCS Newsletters vom Juni 2013 in DIN A 5 Format ausgedruckt mitgebracht und so eine gute Einführung in laufende Projekte und Aktivitäten zur Hand.)

Kontakte zur EKD-Delegation gab es u.a. mit der designierten Auslandsbischöfin der EKD Petra Bosse-Huber, dem noch amtierenden Auslandsbischof Martin Schindehütte, Ökumenereferentin OKRin Dine Fecht, LKR Peter Kollmar, Braunschweig, Mitglied der Finanzkommission der KEK, OKR Dr. Möller, Westfalen, etc.

Münster/Bobingen, 18. Juli 2013

gez. Peter Schreiner / Gerhard Pfeiffer

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