Evangelische Bildungsverantwortung in Europa

Europa: Religion, Bildung, Bildungspolitik

Peter Schreiner

Das Comenius-Institut arbeitet in vielfältigen europäischen Zusammenhängen und Projektbezügen. Nachfolgend werden einige aktuelle Entwicklungen zu Religion und Bildung und europäischer Bildungspolitik vorgestellt:

- Religiöse Bildung in Europa und die Kirchen
- Europarat und interkultureller Dialog
- Europäische Union und Bildungspolitik


Religiöse Bildung in Europa und die Kirchen

CoGREE-Zusammenarbeit intensiviert

Seit 2007 wird die Arbeit der Coordinating Group for Religion in Education in Europe CoGREE personell und finanziell durch die Unterstützungsorganisation für die mehr als 2200 protestantischen und ökumenischen Schulen in den Niederlanden, den Besturenraad, unterstützt. Der Besturenraad hat auch die europäische Zusammenarbeit in seine Aktivitäten aufgenommen. Bei einem Evaluationstreffen Ende Februar 2009 zwischen dem Direktor des Besturenraads, Wim Kuiper, dem Sekretär von CoGREE, Swier Frouws, und dem Moderator von CoGREE, Peter Schreiner, wurde die Fortsetzung der Zusammenarbeit verabredet, allerdings unter schwieriger werdenden finanziellen Bedingungen. Im Rahmen von CoGREE arbeiten sechs europäische Organisationen und Netzwerke zusammen zu Fragen der Qualität religiöser Bildung in den Schulen Europas und europäischer Bildungspolitik. Weitere Informationen über http://www.cogree.com/

Europäischer Austausch zwischen christlichen Pädagogen

"Qualitätsentwicklung in Schulen durch Evaluation?" war das Thema einer europäischen Tagung der International Association for Christian Education IV, die vom 14.-17. April 2009 in der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Bad Wildbad stattfand. Erfahrungen aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Frankreich wurden diskutiert und die Rolle der Schule als Motor für Qualitätsentwicklung hervorgehoben. Pressemitteilung und Beiträge der Tagung sind auf der Internet-Seite http://www.int-v.com/ zugänglich.

Europäische Kirchen und Bildung

Auf Einladung des Büros der Kommission Kirche und Gesellschaft KKG der Konferenz Europäischer Kirchen KEK kamen im Juni 2009 Vertreterinnen und Vertreter von Mitgliedskirchen und assoziierten Organisationen zu einem Arbeitstreffen zu Bildungsfragen in Brüssel zusammen. Ziel des Treffens war die Vorbereitung weiterführender Aktivitäten der Kommission im Bereich Bildung und Erziehung. Bereits im Entwurf eines Arbeitsprogramms für 2009-2015 war "Education: Promoting shared values" als einer von 10 Schwerpunkten aufgenommen. Verabredet wurde nun eine vorläufige Tagesordnung, die dazu dienen soll, sowohl den Beitrag eigener Bildungsaktivitäten für europäische Herausforderungen zu thematisieren wie auch eine Beteiligung an europäischen Bildungsdiskursen zu ermöglichen. Dabei geht es um Standards für den Religionsunterricht, eine erwünschte Kritik an einem verengten Bildungsverständnis wie auch um die Verbreitung von Beispielen gelungener Bildungspraxis.

KEK Vollversammlung und Bildung

Die 13. Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen fand vom 15. bis 21. Juli 2009 in Lyon/Frankreich statt. Das Thema: "Zu einer Hoffnung in Christus berufen" bildete den roten Faden zur kritischen Auswertung der Projekte und Aktivitäten der KEK seit Trondheim 2000 und weiteren Perspektiven. Geprägt wurde das Treffen von mehr als 300 Delegierten der 126 Mitgliedskirchen und assoziierten Organisationen durch Initiativen, einen grundlegenden Reformprozess der KEK zu Struktur, Arbeitsweisen und Schwerpunkten der KEK auf den Weg zu bringen. Das Comenius-Institut war durch Peter Schreiner als Delegierter der Intereuropean Commission on Church and School in Lyon vertreten wie auch die International Association for Christian Education. Ein auswertender Bericht der Organisationen kann ebenso angefordert werden wie ein eigens für Lyon erstelltes Informationsblatt zu Fragen von Kirche und Bildung in Europa (zugänglich über http://www.iccsweb.org/). Dokumente der Versammlung finden sich im Internet unter http://assembly.ceceurope.org/

 

Europarat und interkultureller Dialog

Weißbuch zum Interkulturellen Dialog des Europarates: "Gleichberechtigt in Würde zusammenleben"

Im Mai 2008 hatte der Europarat ein Weißbuch zum interkulturellen Dialog veröffentlicht. Darin werden die bisherigen Aktivitäten des Europarates zusammengefasst und Empfehlungen für eine Fortführung des interkulturellen Dialogs gegeben, in dem insbesondere die religiöse Dimension berücksichtigt wird. Dem Aspekt der religiösen Dimension ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Die Wirkung des Weißbuches kann u.a. an den bislang vorliegenden 13 Übersetzungen abgelesen werden, u.a. in Arabisch und Russisch. Im April 2009 wurde die italienische Übersetzung bei einer öffentlichen Veranstaltung in Rom vorgestellt. Eine deutsche Fassung des Weißbuches ist zugänglich über: http://www.coe.int/t/dg4/intercultural/Source/Pub_White_Paper/WhitePaper_ID_GermanVersion.pdf
Weitere Materialien und Texte: http://www.coe.int/t/dg4/intercultural/

Europäisches Institut für Interkulturelle Verständigung gegründet

In Kooperation mit dem Europarat hat die Regierung Norwegens das Europäische Wergeland Centre gegründet, ein Institut für interkulturelle Verständigung, Menschenrechte und demokratische Bürgerschaft. Schwerpunkte der Arbeit werden im Bereich Forschung und Lehrerfortbildung liegen. Dabei wird der religiösen Dimension ein besonderes Gewicht zukommen. Namensgeber ist der norwegische Dichter und Historiker Henrik Wergeland (1808-1845), der als Verfechter von Demokratie und Meinungs- und Religionsfreiheit in Norwegen nach wie vor populär ist. Informationen zu den Zielsetzungen und Aktivitäten des Instituts finden sich unter http://www.theewc.org/

Erklärung zur interkulturellen Bildung und ihrer religiösen Dimension

Im Dezember 2008 verabschiedete das Ministerkomittee des Europarates die Empfehlung CM/Rec/(23008)12 mit dem Titel: "Dimension of religions and non-religious convictions within intercultural education." Darin werden insbesondere die in den letzten Jahren verabschiedeten Empfehlungen sowie Projekte und Aktionen des Europarates im Bereich interkultureller Bildung und die religiöse Dimension gewürdigt. In einem ausführlichen Anhang und einem erläuternden Memorandum der vorliegenden Publikation findet sich eine differenzierte Sicht von Religion, die in früheren Stellungnahmen (noch) nicht zu finden war. Die Publikation mit den Texten ist zu beziehen über http://book.coe.int/

Exchange des Europarates erfolgreich weitergeführt

War das erste Treffen zwischen Vertreter/innen von Religionsgemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen und Experten im Jahr 2008 zum Interkulturellen Dialog und seiner religiösen Dimension noch ausdrücklich als "Experiment" deklariert, so kann von der Fortsetzung dieser Initiative am 29./30. Juni von einem perspektivenreichen Unternehmen gesprochen werden. Bei der zweitägigen Veranstaltung, zu der das Ministerkomitee eingeladen hatte, standen das 2007 veröffentlichte Handbuch für Schulen " Religious Diversity and Intercultural Education" sowie die oben vorgestellte Empfehlung des Ministerkomitees vom Dezember 2008 als Referenztexte im Mittelpunkt der Diskussion im Plenum und in Arbeitsgruppen. Ein Ergebnis der Veranstaltung ist ein vorläufiger Aktionsplan, der nun weiter vom Ministerkomitee beraten wird. Peter Schreiner hielt bei der Tagung ein Grundsatzreferat, das hier im Volltext verfügbar ist.
Die Dokumente des Exchanges sind zu finden unter: https://wcd.coe.int/ViewDoc.jsp?id=1441393&Site=CM

 

Europäische Union und Bildungspolitik

Bologna-Prozess 2020

Die Bildungsministerinnen und -minister der 46 Bologna-Signatarstaaten trafen sich im April 2009 in Leuven/Belgien zur 5. Bologna-Folgekonferenz. Dabei wurden keine neuen Aktionslinien beschlossen. Bis 2020 steht die Konsolidierung der beschlossenen Reformen, d.h. ihre weitere Verbesserung und Umsetzung, im Vordergrund. Angestrebt werden eine deutliche Verbesserung der "Studierbarkeit" der neuen Studienprogramme und die Weiterentwicklung der Curricula, besonders im Blick auf die Qualität der Lehre. Auch die Förderung der Mobilität – eines der Kenziele der Reform – soll nochmals verstärkt werden. Der Bologna-Prozess soll nun nicht 2010 enden, sondern die Zusammenarbeit der verschiedenen Interessengruppen (Studierende, Universitäten, Wirtschaft und Regierungen) soll weitergeführt werden. Das Kommunique von Leuven und weitere Dokumente des Bologna-Prozesses sind verfügbar unter: http://www.ond.vlaanderen.be/hogeronderwijs/bologna/conference/index.htm

Neue europäische Benchmarks für die Bildungspolitik 2010-2020

Die EU-Mitgliedstaaten haben auf der Sitzung des Europäischen Rates im Mai 2009 in Brüssel einen neuen strategischen Rahmen ("Education and Training – ET 2020") beschlossen. EU-Strategiepapier für Bildung und Ausbildung. Damit soll die Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung vertieft werden. Direkte Prioritäten für 2009-2011 wurden ebenso vereinbart wie langfristige Ziele für das kommende Jahrzehnt bis 2020. In diesem Zusammenhang wurden neue Benchmarks zur Beobachtung des Fortschritts bei der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa festgelegt. Eine Zusammenfassung des erreichten Standes des bisherigen Arbeitsprogramms "Allgemeine und berufliche Bildung 2010" und des neuen strategischen Rahmens bietet der Informationsdienst Nr. 17 (Mai 2009) des Bundesinstitutes für Berufsbildung unter http://www.bibb.de/. Der vollständige Text des strategischen Rahmens findet sich unter:
http://ec.europa.eu/education/lifelong-learning-policy/doc/com865_de.pdf

Europäischer Bezugsrahmen für die Qualitätssicherung in der Berufsbildung (EQARF)

Das Europäische Parlament und der Rat verabschiedeten am 18. Juni 2009 ein neues Referenzinstrumen: Die Empfehlung zur Einrichtung eines europäischen Bezugsrahmens für die Qualitätssicherung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung (englisch: European Quality Assurance Reference Framework for Vocational Education and Training – EQARF) soll die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, ihre Berufsbildungssysteme durch gemeinsame europäische Bezugsgrößen auf freiwilliger Basis zu verbessern. Der Bezugsrahmen schreibt kein spezifisches Qualitätssicherungssystem bzw. –konzept vor, sondern stellt gemeinsame Grundgesetze, Qualitätskriterien, als Richtgröße zu verstehende Deskriptoren und Indikatoren zur Verfügung.
Link: http://ec.europa.eu/education/lifelong-learning-policy/doc1134_en.htm

Materialien und Publikationen, die über das CI erhältlich sind:

- Peter Schreiner, Gaynor Pollard, Sturla Sagberg (Eds) (2006), Religious Education and Christian Theologies, Münster: Waxmann, 19,90 €
- "Europe, democratic citizenship and education”, CD ROM mit Beiträgen der ICCS Konferenz 2006 in Estland, 5,-- € plus Versandkosten
- "Religion, Citizenship and Education” CD ROM mit Beiträgen des ICCS Kolloquiums Klingenthal 2006, 5,-- € plus Versandkosten
- Peter Schreiner, Friedhelm Kraft, Andrew Wright (2007),Good Practice in Religious Education in Europe. Examples and Perspectives of Primary Schools 19,90 €
- ICCS/Comenius-Institut (2009): Education for Religion and Democracy of Intercultural Dialogue, Klingenthal, 14 to 17 October 2008, CD ROM mit Beiträgen und Dokumenten des CoGREE Kolloquiums, CD ROM, 5,00 €

Kontakt für weitere Informationen: Peter Schreiner, schreiner@comenius.de

"Durch Bildung können wir Identität und Offenheit, Tradition und Moderne miteinander verbinden. Deshalb hat interkulturelle Bildung heute eine so hohe Bedeutung. Sie beinhaltet die Fähigkeit, mit der Vielfalt von Traditionen und Religionen umzugehen und ihr kommt eine Schlüsselrolle für eine aktive Bürgerschaft zu."
(EU-Kommissar Ján Figel’ im April 2009 in Istanbul)

Fach- und Arbeitsstellen des Comenius Instituts

© Comenius-Institut 2004-2019

Sitemap |
  • Datenschutz
  • Impressum