Evangelische Bildungsberichterstattung (EBiB)

Wozu eine evangelische Bildungsberichterstattung?

Matthias Spenn, Dietlind Fischer

Comenius-Institut legt Machbarkeitsstudie vor

Wer wissen will, was die evangelische Kirche alles im Bildungsbereich macht, hat es schwer. Wer nimmt an Angeboten der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit teil? Wie viele Schülerinnen und Schüler besuchen den evangelischen Religionsunterricht - deutschlandweit oder im Vergleich zwischen Bundesländern und Landeskirchen? Welche Bildungsangebote gibt es für Erwachsene - in Frauen- und Männerkreisen, in Glaubenskursen, in der theologischen Fortbildung für Ehrenamtliche und in der Kirchenmusik? Welche Schulen befinden sich in evangelischer Trägerschaft und wie gut sind sie? Gibt es in den nächsten Jahren genügend ausgebildetes Personal in evangelischen Kindertageseinrichtungen? Für Fragen dieser Art gibt es hier und da Daten und Darstellungen einzelner Handlungsfelder und Problemlagen. Ein Überblick im Zusammenhang der Handlungsfelder oder gar eine landesweite Gesamtperspektive sind jedoch nicht möglich.

Zivilgesellschaftliches Engagement zeigen

Bildung gehört seit der Reformation zu den genuinen Kernaufgaben der evangelischen Kirchen. "Von der Zukunft der Kirche lässt sich nicht reden, ohne das Verhältnis von Kirche und Bildung anzusprechen. Das Bündnis von Glauben und Bildung ist und bleibt ein besonderer reformatorischer Auftrag." (Wolfgang Huber 2003)

Bildungsangebote werden in Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und Landeskirchen, durch Vereine, Werke und Verbände auf örtlicher, regionaler, Landes- und Bundesebene gemacht. Eine zentrale Steuerung ist oft nicht sachgemäß und auch nicht wünschbar; demokratische Vielfalt ist ein Merkmal des Protestantismus. Aber die Unüberschaubarkeit hat auch eine große Schwäche: Das evangelische Bildungshandeln wird in seiner Vielfalt und in seiner zivilgesellschaftlichen Leistungskraft und Bedeutsamkeit nicht hinreichend wahrgenommen. Die Frage nach Qualität und Leistung(sfähigkeit) evangelischen Bildungshandelns ist auch für den kirchlichen Reformprozess (http://kirche-im-aufbruch.ekd.de) wichtig. Entscheidungen über das kirchliche Bildungshandeln bedürfen nicht nur guter theologischer und pädagogischer Begründungen, sondern müssen sich auch auf belastbare empirische Daten zum Aufwand, zu Voraussetzungen und Bedingungen der Praxis evangelischen Bildungshandelns beziehen können.

Bildungsbereiche sichtbar machen

Diesem Zweck kann eine evangelische Bildungsberichterstattung dienen. Das Comenius-Institut hat dazu im Auftrag der EKD im Jahr 2008 eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Darin werden Funktionen und Merkmale einer datengestützten, regelmäßigen Bildungsberichterstattung beschrieben und überprüft, inwiefern diese regelmäßige Bildungsberichterstattung das Bildungshandeln der evangelischen Kirchen informiert zu stützen vermag. Der Mehrwert einer regelmäßigen Bildungsberichterstattung gegenüber einzelnen landeskirchlichen Berichten besteht darin, dass Entwicklungsverläufe aufgezeigt und Zusammenhänge zwischen Bildungsbereichen erkannt werden können. Dadurch wird es möglich, Potenziale und Problemlagen aufgrund regelmäßiger Beobachtungen zu entdecken, kirchliche Bildungspolitik wissenschaftlich zu beraten und in ihren Steuerungsmöglichkeiten zu unterstützen.

Kennzeichen von Bildungsberichterstattung

Bildungsberichterstattung wird in der Studie als geeignetes Instrumentarium beschrieben, um datengestützte Aussagen zum Kontext, den Leistungen, zur Qualität und zu Wirkungen evangelischen Bildungshandelns zu machen. Eine evangelische Bildungsberichterstattung sollte sich an den wissenschaftlichen Grundlagen nationaler und internationaler Bildungsberichterstattung orientieren und die eigenen Schwerpunktsetzungen und besonderen Bedingungen darauf beziehen. Kirchliches Bildungshandeln spielt bei non-formalen und informellen Lernprozessen eine besondere Rolle. Diese Felder stellen auch für künftige Forschungsprozesse eine besondere Herausforderung dar.

Unterschiede der einzelnen Bildungsbereiche

Die einzelnen Bereiche evangelischen Bildungshandelns sind sehr unterschiedlich verfasst. Dies herauszuarbeiten war eine Aufgabe der Machbarkeitsstudie. Zum Bereich der Kindertageseinrichtungen konnte in einer Expertise gezeigt werden, wie sich aus einer trägerspezifischen Auswertung der staatlichen Kinderbetreuungsstatistik wichtige Erkenntnisse für die Praxis ergeben. Unter anderem zeigen die Daten einen erheblichen Steuerungsbedarf bei der Personalentwicklung, Defizite beim Ausbau der Angebote für Unter-3-Jährige, aber auch Stärken der konfessionellen Einrichtungen bei der Arbeit mit Kindern mit Migrationshintergrund.

Nächste Schritte

Wesentliche Voraussetzung für das Gelingen einer evangelischen Bildungsberichterstattung ist die Beteiligung der evangelischen Landeskirchen sowie der Partner in Einrichtungen, Gremien, Verbänden und Werken. Die Zusammenarbeit mit den kirchlichen und staatlichen Ämtern für Statistik ist weiter zu entwickeln, wissenschaftliche Expertise zu sichern.

Aufgrund der Datenlagen sowie der konzeptionellen und strukturellen Bedingungen und Besonderheiten evangelischen Bildungshandelns in einer föderalen Struktur soll ein erster Bericht, der 2012 vorgelegt wird, schwerpunktmäßig zu ausgewählten Bereichen erfolgen. In den Folgeberichten ist eine kontinuierliche Fortschreibung und Erweiterung zu ermöglichen.

Die Projektgruppe im Comenius-Institut befasst sich zur Zeit mit den Vorarbeiten zur Einführung einer Bildungsberichterstattung für den Bereich Kindertagesstätten, Evangelische Schulen und Religionsunterricht. Dazu wird die Unterstützung von Experten in Kirchenleitungen, Wissenschaft, Statistischen Ämtern und bildungspolitischen Gremien gesucht.

Die Machbarkeitsstudie ist als Broschüre beim Comenius-Institut Münster zu beziehen (Schutzgebühr 10,- €)

Bookshop

und im Internet als pdf-Datei abrufbar unter

CI Informationen 2009/1

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