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Qualifikation Schulseelsorge

Matthias Spenn

Zweite EKD-weite Fachtagung Evangelische Schulseelsorge, 23.-25.4.2008 in Kronberg/Ts. zum Thema: Qualifikation Schulseelsorge

Was müssen Schulseelsorger können? Wie werden sie dafür qualifiziert?

Das waren die Leitfragen, mit denen sich vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus nahezu allen Teilen Deutschlands auf der zweiten EKD-weiten Schulseelsorgetagung Ende April 2008 im RPZ Kronberg/Ts. beschäftigten.

Die evangelische Schulseelsorge ist, nicht zuletzt durch die Impulse der ersten Schulseelsorgetagung im Jahr 2006, inzwischen ein wichtiges Thema in vielen Landeskirchen geworden. Bei Lehrerinnen und Lehrern sowie kirchlichen Lehrkräften im schulischen Religionsunterricht besteht großes Interesse an Qualifikationsangeboten. In immer mehr Landeskirchen werden Projektstellen eingerichtet, Fortbildungskonzepte entwickelt und Netzwerke aufgebaut bzw. der Aufbau von Schulseelsorge als Aufgabe formuliert.
Dies jedenfalls konnten die Teilnehmenden auf der Tagung berichten.
Gleichsam ist es wichtig, sich EKD-weit über Schulseelsorgekonzepte zu verständigen, die Angebote abzustimmen und sich gegebenenfalls wechselseitig zu ergänzen.

Was müssen Schulseelsorger/-innen können?

Die Teilnehmenden erarbeiteten aus diesem Grund auf der Tagung einige zentrale Grundbefähigungen (Kompetenzen), über die Schulseelsorger/-innen in jedem Fall verfügen können müssen. Die vier wichtigsten sind:

I Seelsorgekompetenz

Neben Grundkenntnissen in Seelsorge und Entwicklungspsychologie sollten Schulseelsorger/-innen über Fähigkeiten in Gesprächsführung, insbesondere im Kurzgespräch und ressourcenorientierter Kurzberatung verfügen. Sie sollten in der Lage sein, entsprechende Räume für Seelsorge in der Schule zu schaffen und auch die Seelsorge unter Gleichaltrigen (Peer-Seelsorge) im Blick haben. Wichtig ist, zwischen Seelsorge, Beratung und Therapie unterscheiden zu können und Gewissheit über das eigene Seelsorgeverständnis und die eigene Rolle zu erlangen.

II Theologische, spirituelle und liturgische Kompetenz

Schulseelsorger/-innen brauchen theologische, liturgische und pädagogische Kompetenzen für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben und ihrer Verantwortung. Das trifft für seelsorgliche Alltagssituationen ebenso zu wie für die Gestaltung von Gottesdiensten, Andachten und anderen spirituelle Angeboten, die in Gruppen mit Schülerinnen und Schülern, aber auch Lehrern/-innen und anderen Personen der Schule oder auch von außerhalb der Schule zu gestalten sind. Hilfreich sind religionspädagogische Fähigkeiten zur Arbeit mit biblischen Texten und liturgischen Elementen in seelsorglichem Verwendungshorizont. Auch Ansätze von Kinder- und Jugendtheologie sollten vertraut sein und unter seelsorglicher Perspektive einbezogen werden können. Ganz entscheidend sind angesichts der Heterogenität der Menschen in der Schule und im gesellschaftlichen Umfeld Kenntnisse und Fähigkeiten zum interkulturellen und interreligiösen Dialog. 

III  Beziehungskompetenz

Eine Bedingung für das Gelingen schulseelsorglicher Arbeit ist die Fähigkeit, Beziehungen zu Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in der Schule und im schulischen Umfeld herzustellen, das eigene Rollenverständnis zu klären, Rollensicherheit zu gewinnen, Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Eigenaktivität zu ermöglichen, die Arbeit zu vernetzen und mit unterschiedlichen Partnern in der Schule (Schülervertretung und Schülerschaft, Schulleitung und Kollegium, Verwaltung/Sekretariat und technische Dienste/Hausmeister) und sowie im Umfeld der Schule (Kommune, Kirche, Wirtschaft, Handel, Handwerk, soziale Einrichtungen, Hilfs- und Rettungsdienste, Beratungsstellen) zu kooperieren.
Schulseelsorger/-innen sollten auch schulischen Kriseninterventionsteams angehören und dabei ihre Kompetenzen und Ressourcen einbringen. 

IV Projektentwicklungskompetenz / Projektmanagement

Die Praxis von Schulseelsorge ist dadurch gekennzeichnet, dass sie immer wieder neu bei konkreten Situationen, Herausforderungen und Themenstellungen am Ort Schule und in Bezug auf Schule ansetzt. Schulseelsorger/-innen müssen Situationen erkennen, Bedarfe erfassen, Gelegenheiten entdecken und je nach Anforderung Konzepte entwickeln können. Schulseelsorge arbeitet vielfach projekthaft und ist auf Fähigkeiten des Projektmanagements und der Kooperation angewiesen. Zum einen ist das erforderlich bei der Mitarbeit von Schulseelsorgern/-innen bei Projekten, Projektwochen oder schulbezogener Arbeit außerschulischer Träger, zum anderen  auch im Blick auf die Mitwirkung bei der Gestaltung des Schullebens und der Schule als Lebensort. Dabei sind die  Kompetenzen möglichst vieler an und außerhalb der Schule tätigen Akteure (Jugendarbeit, Freizeitarbeit, Spiritualität) zu berücksichtigen und einzubeziehen. Generell sind dafür auch Grundkenntnisse in Fragen der Schulentwicklung und der Schulprogrammarbeit erforderlich.

Weiterarbeit

In Workshops wurden während der Tagung diese Kompetenzen gemeinsam erarbeitet und ausgehend von bereits praktizierten Qualifikationskursen Ideen und Bausteine für weitere Qualifikationsmodule entwickelt. Es ist durch das Leitungsteam der Tagung beabsichtigt, daran weiter zu arbeiten und in der Folge die Arbeitsergebnisse auch anderen zur Verfügung zu stellen. 

Die Fachtagung wurde in Kooperation zwischen dem Comenius-Institut, evangelische Arbeitsstätte für Erziehungswissenschaft e.V., Münster (Matthias Spenn) und dem Kirchenamt der EKD, Hannover (OKR Matthias Otte) durchgeführt. Dem Leitungsteam gehörten an:

  • Dr. Ulrike Baumann (PTI Bonn Bad-Godesberg),
  • Dr. Harmjan Dam (RPZ Kronberg/Ts.),
  • Dagmar Hisleiter (Arbeitsgemeinschaft evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit, Hannover),
  • Ingrid Nestor (PTZ Stuttgart),
  • Matthias Otte (Kirchenamt der EKD, Hannover),
  • Matthias Spenn (Comenius-Institut, Münster).

Literaturhinweis:

Evangelische Schulseelsorge: Hintergründe, Erfahrungen, Konzeptionen. Münster: Comenius-Institut 2007, 86 Seiten. Preis: 4,00 €
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