Archiv

Evangelische Schulseelsorge - Erste EKD-weite Fachtagung

Matthias Spenn

Pfarrer/innen und Religionspädagogen/innen aus nahezu allen evangelischen Landeskirchen und Bundesländern trafen sich erstmalig bundesweit zu einer Fachtagung "Evangelische Schulseelsorge" vom 21.-23. Juni 2007 im Religionspädagogischen Zentrum der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau in Kronberg bei Frankfurt am Main. Im Zentrum standen eine Bestandsaufnahme und der Erfahrungsaustausch über Praxis und Konzeptionen in den Bundesländern und Landeskirchen sowie über Fort- und Weiterbildungsmodelle für Schulseelsorger/innen.

Die Bestandsaufnahme ergab ein disparates Bild: Nur in wenigen Landeskirchen ist Schulseelsorge als Arbeitsfeld mit eigener personeller Ausstattung etabliert. In einigen Landeskirchen existieren regionale Konzepte, je nach Schwerpunktsetzung der Religionspädagogen/innen und Schulpastorinnen. Die meisten Praktikerinnen und Praktiker definieren ihr Verständnis und ihre Praxis der Schulseelsorge ohne formale Beauftragung aufgrund der Erfordernisse in der täglichen Arbeit an Schulen. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt auf situationsbezogener Begleitung von Schülerinnen und Schülern, zum Teil auch von Lehrerinnen und Lehrern sowie von Eltern in Fragen der Lebensgestaltung, bei der Bewältigung von individuellen und sozialen Krisen, bei Übergängen in der Schullaufbahn und im Lebenslauf. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Mitgestaltung des Schullebens und der Schulkultur durch Angebote von Schulgottesdiensten, das Offenhalten von Räumen der Stille, Angebote zur Besinnung und zu Gesprächen. Weitergehende Angebote von Schulseelsorge sind Projekttage und Tage der Orientierung, die Durchführung von sozialen Projekten oder erlebnispädagogische Aktivitäten.
So vielfältig wie die Praxis ist auch die Struktur von Unterstützungsangeboten. Während in wenigen Landeskirchen verbindliche und erprobte Weiterbildungskonzepte sowie eine ausgebaute Fachberatung existieren, sind die Schulseelsorger/innen in den meisten Fällen auf sporadische, individuell ausgewählte Unterstützungs- und Begleitungsgelegenheiten ihrer Arbeit angewiesen.

Schulseelsorge ist ein Handlungsfeld mit unterschiedlichen fachlichen und praktischen Bezügen: Sie ist eine Dimension von Schulleben, Schulkultur und Schulentwicklung; sie ist als eine auf einen bestimmten Ort bezogene Form der Seelsorge Thema der Praktischen Theologie und der Seelsorgelehre; sie hat in der Praxis einen engen Bezug zur Religionspädagogik, außerdem spielt sie in der schulnahen/schulbezogenen Jugendarbeit eine Rolle.
Auf der Tagung wurden besonders die Verortung in aktuellen Tendenzen der Schulentwicklung (Dr. Hermann Josef Abs, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung Frankfurt/Main) sowie in der Seelsorgetheorie (Anja Kramer, Wuppertal) thematisiert. Außerdem erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in die Schulpastoral der katholischen Kirche am Beispiel der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Helmut Demmelhuber).

Als Fazit der Tagung wurden eine Reihe von Themen zur Weiterarbeit identifiziert: Dazu zählen  grundlegende Fragen nach dem Verständnis bzw. einer Definition von  Schulseelsorge, die Profilierung von Schulseelsorge an den Schnittstellen zum Religionsunterricht sowie hinsichtlich der Angebote von Beratungsstellen, der Schulsozialarbeit und schulbezogener Jugendarbeit, die Erarbeitung schulartenspezifischer Seelsorgekonzepte und die stärkere Einbeziehung von Mitarbeitern/innen der Jugendarbeit und der Gemeindepädagogik in die Arbeit an der Schule. Für eine Folgetagung wäre es auch hilfreich, die Perspektive von Schulleitungen und Schule stärker mit einzubeziehen. Überfällig ist, Schulseelsorge neben der Religionspädagogik auch in der Praktischen Theologie und der Seelsorgelehre fachlich zu profilieren.

Die Teilnehmenden äußerten den Wunsch nach einer Folgetagung im Abstand von zwei Jahren, auf der schwerpunktmäßig Konzeptionen der Fort- und Weiterbildung bzw. Qualifizierung von Schulseelsorgern/innen bearbeitet werden sollen.

Trägerinstitutionen der Fachtagung waren das Kirchenamt der EKD, das Comenius-Institut Münster und die Arbeitsgemeinschaft Evangelische Schülerinnen und Schülerarbeit (AES).
Matthias Spenn

Fach- und Arbeitsstellen des Comenius Instituts

© Comenius-Institut 2004-2019

Sitemap |
  • Datenschutz
  • Impressum