Archiv

Alles neu - alles anders? Kompetenzorientierter Unterricht als Herausforderung für die Lehrerfortbildung

Andreas Feindt

Unter diesem Titel hat vom 30.11. bis 02.12.2009 die 6. überregionale Fachtagung zur kirchlichen Lehrer/-innenfortbildung in Bonn-Bad Godesberg stattgefunden. Erneut stand dabei nach Hofgeismar im Jahr 2007 das Thema "Kompetenzorientierung" im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die große Resonanz mit über 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der katholischen und evangelischen Lehrerfortbildung zeigt, dass das Thema weiterhin von großer Bedeutung ist. Die Diskussionslage von 2009 ist allerdings eine andere als die im Jahr 2007. Prof. Dr. Clauß Peter Sajak von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat in seinem Vortrag aktuelle Entwicklungen herausgearbeitet und zukünftige Herausforderungen skizziert.

In den Vorträgen, Diskussionen und Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass mit der Kompetenzorientierung im Religionsunterricht nicht alles neu werden muss. Vielmehr geht es darum, an bestimmten Stellen des Unterrichts didaktische Entscheidungen etwas anders zu treffen als bisher. Dazu gehört z. B. die Erhebung von Lernausgangslagen zur Fundierung der weiteren Unterrichtsplanung, die Vernetzung von Themen, die im Unterricht bislang separiert bearbeitet wurden oder die Anwendung des im Unterricht erworbenen Wissens zur Bearbeitung von Anforderungssituationen. Anhand von fünf exemplarischen Lernfeldern des Religionsunterrichts (Gebet, Exoduserzählung, Gottesverständnis, Kirche/n verstehen und Jesusbilder) wurde in den Arbeitsgruppen der Schwerpunkt auf die Erhebung von Lernausgangslagen und die Analyse von Schülerergebnissen gelegt.

Neben der Weiterentwicklung des Unterrichts liegt eine der zentralen Herausforderungen in der Fortbildung von Religionslehrerinnen und Religionslehrern. Auf einem Rückmeldebogen zur Tagung formuliert eine Teilnehmerin diese Entwicklungsaufgabe so: Für mich stellt sich die Aufgabe, die kompetenzorientierte Gestaltung der Lehrerfortbildung stärker in den Blick zu nehmen (nicht nur/hauptsächlich in Bezug auf die schulische Unterrichtsgestaltung, sondern bzgl. der Gestaltung der Fortbildung selbst).

Wenn eine langfristige Weiterentwicklung des Unterrichts und eine nachhaltige Professionalisierung der Lehrerinnen und Lehrer erreicht werden soll, dann braucht es neben der bisherigen Fortbildungspraxis andere Formate. Im Vortrag von Prof. Dr. Ilka Parchmann vom Leibniz Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel wurde ein solches alternatives Format skizziert. Anhand der Vorstellung des Fortbildungskonzeptes von "Chemie im Kontext" ist deutlich geworden, dass es wichtig ist, Lehrkräfte in kooperative Arbeitsprozesse zu verwickeln, die über einen Fortbildungsnachmittag hinausgehen. Nicht die punktuelle Auseinandersetzung mit einer Methode oder einem Thema, sondern die kontinuierliche Entwicklung und Reflexion von Unterricht und die Beschäftigung mit den Lernwegen der Schülerinnen und Schüler muss in den Mittelpunkt der Fortbildungsarbeit rücken. Darüber hinaus braucht es flexible Anregungen für den Unterricht, die von den Lehrkräften weiterentwickelt und für ihre jeweilige Lerngruppe angepasst werden können.

Die Fachtagungen für kirchliche Lehrerfortbildner/-innen werden seit 1998 in zweijährigem Rhythmus vom Comenius-Institut gemeinsam mit einem regionalen evangelischen und katholischen Partner veranstaltet. An der Vorbereitung und Ausrichtung der diesjährigen Tagung waren das Pädagogisch-Theologische Institut der EKiR in Bonn und die Hauptabteilung Schule und Bildung des Erzbistums Köln als Partner beteiligt.

Fach- und Arbeitsstellen des Comenius Instituts

© Comenius-Institut 2004-2019

Sitemap |
  • Datenschutz
  • Impressum